Vergleich: alte überladene Website links, frische moderne Website rechts, Pfeil dazwischen

Wenn jemand bei mir anfragt, ist die erste Frage selten „Bauen Sie mir eine Website?". Meistens ist es: „Was machen wir mit der hier?" Ein Link, ich klicke drauf, schau mir die Seite an. Und dann muss ich ehrlich einschätzen: lohnt sich ein kompletter Neuaufbau, oder kommt man mit einem Bruchteil des Aufwands ans Ziel?

Beides ist legitim. Es gibt Seiten, da würde ich mir selbst widersprechen, wenn ich einen Relaunch verkaufe. Und es gibt Seiten, bei denen jede Stunde Auffrischung in eine technische Sackgasse fließt. Wie ich das auseinanderhalte, will ich hier zeigen. Vielleicht hilft dir das, schon vor dem Erstgespräch eine ehrlichere Einschätzung zu haben.

Welche drei Ebenen schaue ich mir an?

Eine Website ist im Grunde drei Sachen übereinander: Inhalt, Design und Technik. Wenn nur eine davon Schwächen hat, reicht meistens eine Auffrischung. Wenn zwei oder drei betroffen sind, wird ein Relaunch in den meisten Fällen günstiger als die Reparaturkette.

1. Inhalt

Texte, Bilder, Struktur der Startseite. Hier sehe ich am meisten Potenzial bei bestehenden Seiten. Oft sind die Inhalte gut, aber falsch sortiert. Die wichtigste Information steht ganz unten, der Anfang besteht aus Floskeln, Kontaktdaten sind versteckt. Das ist Arbeit, aber kein Grund für eine neue Seite.

2. Design

Wirkt die Seite zeitgemäß? Ist sie auf dem Handy benutzbar? Stimmt die Schrift, die Farben, der Aufbau? Hier wird es schon kniffliger. Manchmal ist das Design grundsätzlich okay und braucht nur frische Bilder, etwas mehr Luft, ein modernes Farbschema. Manchmal sieht eine Seite optisch so aus, als hätte sie zehn Jahre auf dem Buckel, und kein Lifting der Welt rettet das.

3. Technik

Das ist der harte Faktor. Wenn die Seite auf einem alten System läuft, das nicht mehr gepflegt wird, ist die Sache meistens entschieden. Ich kann die schönsten Texte schreiben und die besten Bilder einbauen, wenn die Grundlage marode ist, läuft die Seite weiter langsam, sie ist weiter unsicher, sie wird weiter schlecht in der Suche gefunden.

Wann reicht eine Auffrischung?

Eine Auffrischung ergibt für mich Sinn, wenn die Seite technisch gesund ist und das Design zumindest noch akzeptabel wirkt. Konkrete Anzeichen, die dafür sprechen:

  • Die Seite lädt in unter drei Sekunden, auch auf dem Handy.
  • Sie ist responsiv. Also: Auf dem Smartphone passt der Inhalt sauber rein, ohne quer scrollen zu müssen.
  • Das Content-Management-System wird noch unterstützt und bekommt Updates.
  • Die Optik ist nicht hip, aber auch nicht peinlich. Kaum jemand schreckt sofort zurück.
  • Die Struktur ist nachvollziehbar, nur die Inhalte sind unscharf oder veraltet.

In so einem Fall reichen meistens ein paar gezielte Eingriffe: Startseite neu schreiben und neu sortieren, frische Fotos einbauen, Schriftgrößen vergrößern, einen klaren Knopf zur Kontaktaufnahme platzieren, Telefonnummer und E-Mail überall sichtbar machen. Das ist Arbeit für zwei bis vier Tage und kostet je nach Umfang zwischen 400 und 1.500 Euro. Damit sind Seiten oft wieder zwei, drei Jahre vorne dabei.

Eine Auffrischung kann genauso wirksam sein wie ein Relaunch, wenn die technische Basis stimmt. Wer das ignoriert und immer alles neu baut, verbrennt unnötig Geld. Und ich kann mir das nicht leisten, Leuten Sachen zu verkaufen, die sie nicht brauchen.

Wann ist ein Relaunch der bessere Weg?

Ein Relaunch ist für mich kein Luxus, sondern manchmal die einzige saubere Lösung. Klar dafür sprechen ein veraltetes oder unsicheres System, eine auf dem Handy unbenutzbare Seite, Ladezeiten über fünf Sekunden, eine sichtlich veraltete Optik, eine fehlende Mobilversion und ein Geschäft, das sich verändert hat.

  • Die Seite läuft auf einem System, das nicht mehr gepflegt wird oder Sicherheitslücken hat.
  • Auf dem Handy ist sie unbenutzbar. Quer scrollen, Buttons winzig, Schrift zu klein.
  • Die Ladezeit liegt über fünf Sekunden, auch nach Optimierung.
  • Die Optik wirkt offensichtlich aus einem anderen Jahrzehnt.
  • Es gibt keine vernünftige Mobilversion oder die ist eine separate, halbgare Subdomain.
  • Das Geschäft hat sich verändert. Die Seite spiegelt nicht mehr wider, was du heute machst.

Ein Relaunch einer kleinen Website mit fünf bis acht Seiten liegt bei mir je nach Umfang zwischen 2.500 und 5.000 Euro. Dauer: vier bis sechs Wochen, davon ein guter Teil Warten auf Inhalte vom Kunden. Was der Aufwand bringt, lässt sich nicht in Zahlen versprechen, aber ich seh es immer wieder: Eine saubere neue Seite gewinnt Anfragen, die vorher einfach abgesprungen sind.

Welche Kosten rechnet niemand mit?

Wenn du dich zwischen Auffrischen und Relaunch entscheidest, geht es nicht nur um den Rechnungsbetrag heute, sondern um die nächsten zwei bis drei Jahre: summierte Reparaturkosten, verlorene Anfragen, die du nie bemerkst, und ein Google-Ranking, das langsam abrutscht. Ein paar Sachen, die ich Kunden gerne mit auf den Weg gebe:

1. Reparaturkosten summieren sich. Wer eine alte Seite zweimal im Jahr für 500 Euro flickt, hat in drei Jahren 3.000 Euro ausgegeben und immer noch eine alte Seite. Damit ist man oft schon im Bereich eines Relaunchs.

Mehr dazu, wie sich eine veraltete Website unbemerkt rächt, hab ich im Beitrag „Warum deine Website Kunden kostet" geschrieben.

2. Verlorene Anfragen sind unsichtbar. Wer auf der Seite kein Vertrauen aufbaut, ruft nicht an. Du merkst es nie, weil der Anruf nie kommt. Eine alte Seite kostet dich täglich potenzielle Aufträge, ohne dass du es siehst.

3. Google sortiert konsequent aus. Seiten mit schlechter Mobilversion und langsamer Ladezeit fallen langfristig in den Suchergebnissen. Wenn du gerade noch auf Seite eins bist, kann sich das innerhalb eines Jahres ändern. Das ist auch ein Grund, warum ein gepflegter Google-Eintrag in Kombination mit einer modernen Website so viel ausmacht.

Welche drei Fragen stelle ich mir vor jedem Projekt?

Bevor ich überhaupt einen Vorschlag mache, gehe ich drei Fragen durch, die du genauso für dich durchspielen kannst: Stimmt die technische Grundlage? Wofür steht das Geschäft heute? Und wie sieht das Ganze in zwei Jahren aus?

Frage 1: Stimmt die technische Grundlage? Wenn nicht, ist die Diskussion eigentlich schon entschieden. Auf einem maroden Fundament wird keine Seite stabil.

Frage 2: Wofür steht das Geschäft heute? Wenn die Seite eine andere Geschichte erzählt als die, die du heute lebst, hilft kein Tuning. Da muss neu gedacht werden.

Frage 3: Wie sieht das Ganze in zwei Jahren aus? Bringt die Auffrischung dich verlässlich über die nächsten 24 Monate? Oder werden wir uns in einem halben Jahr wieder das Gleiche fragen?

Wenn alle drei Fragen mit „passt" beantwortet werden, reicht eine Auffrischung. Wenn eine kippt, wird es spannend. Wenn zwei kippen, lohnt sich der Relaunch fast immer.

Was empfehle ich am häufigsten?

Ehrlich? In etwa der Hälfte der Fälle reicht eine Auffrischung. Klingt vielleicht überraschend, weil ich ja eigentlich neue Seiten baue. Aber wer Leuten ständig Relaunches verkauft, die sie nicht brauchen, kommt nicht durch. Ich krieg ungefähr vierzig Prozent meiner Anfragen über Empfehlung, und das funktioniert nur, wenn ich das Richtige rate, nicht das Teurere.

In der anderen Hälfte ist der Relaunch der ehrlichere Weg, weil eine Reparatur kurzfristig billiger wirkt, mittelfristig aber draufzahlt.

Was kannst du selbst in zehn Minuten prüfen?

Bevor du jemanden anschreibst, kannst du schon eine grobe Einschätzung bekommen: Öffne deine Seite auf dem Handy und prüfe, ob man in fünf Sekunden versteht, was du anbietest, teste den Mobil-Wert bei einem Pagespeed-Check, schau auf das Datum der letzten Änderung und frag dich, ob dir die Seite im Erstgespräch peinlich wäre.

  • Öffne deine Seite auf dem Handy. Versteht man in fünf Sekunden, was du anbietest?
  • Drück mal auf pagespeed.web.dev und gib deine URL ein. Wie ist der Mobil-Wert? Unter 50 ist heikel.
  • Schau dir das Datum der letzten Änderung an, falls du es weißt. Älter als vier Jahre? Wahrscheinlich Relaunch.
  • Frag dich: Wäre dir die eigene Seite peinlich, wenn du sie einem neuen Kunden im Erstgespräch zeigen müsstest?

Wenn drei dieser Punkte negativ ausfallen, ist es Zeit für eine größere Entscheidung. Wenn nur einer wackelt, reicht meistens Feinarbeit.

Zum Schluss

Es gibt keine pauschale Antwort, ob ein Relaunch oder eine Auffrischung das Richtige ist. Aber es gibt eine ehrliche. Und die kriegst du nur, wenn jemand sich die Seite anschaut, ohne dir gleich das teurere Paket aufzuschwatzen.

Wenn du unsicher bist, schick mir die URL deiner Seite. Ich schau sie mir an und sag dir, was ich machen würde. Wenn ich eine Auffrischung für sinnvoller halte, sag ich dir das genauso wie einen Relaunch. Kostet nichts und du bist hinterher schlauer, egal wie es ausgeht.

Häufige Fragen

Was kostet ein Website-Relaunch?

Ein kompletter Relaunch einer Website mit fünf bis acht Seiten liegt für die meisten kleinen Betriebe bei etwa 2.500 bis 5.000 Euro. Eine Auffrischung der bestehenden Seite kostet je nach Umfang zwischen 400 und 1.500 Euro.

Woran erkenne ich, ob meine Website neu gebaut werden muss?

Wenn die Seite auf dem Handy schlecht aussieht, langsam lädt, das Content-Management-System veraltet ist oder das Design zehn Jahre oder älter wirkt, lohnt sich meistens ein Relaunch. Reicht ein neues Bild, ein paar bessere Texte und eine geordnete Startseite, ist eine Auffrischung der bessere Weg.

Wie lange dauert ein Relaunch?

Bei einer kleinen Website mit fünf bis acht Seiten plane ich vier bis sechs Wochen, je nachdem wie schnell Texte und Bilder vom Kunden kommen. Eine Auffrischung dauert oft nur zwei bis vier Tage.

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