Vergleich: CMS-Admin-Oberfläche mit Plugin-Stapel und selbst gebaute Website mit sauberem Code

„Machst du das mit WordPress?" Diese Frage kommt in fast jedem Erstgespräch, meistens in den ersten fünf Minuten. Die kurze Antwort: nein, ich baue Websites von Hand. Die lange Antwort ist interessanter, denn WordPress ist nicht schlecht, es ist nur für viele Selbstständige das falsche Werkzeug. In diesem Artikel vergleiche ich beide Wege nüchtern, mit den Kosten und Konsequenzen, die einem vorher selten jemand sagt.

Was „selbst gebaut" überhaupt heißt

Erstmal Begriffe klären. Mit „selbst gebaut" meine ich eine Website, die ein Webdesigner direkt in HTML, CSS und JavaScript schreibt, ohne Content-Management-System dazwischen. Man nennt das auch statische Website. „Statisch" klingt nach 1998, beschreibt aber nur die Technik: Die Seite liegt fertig auf dem Server und wird ausgeliefert, wie sie ist. Keine Datenbank, kein PHP, keine Plugins. Animationen, Formulare und moderne Optik funktionieren trotzdem, davon merkt der Besucher nichts.

WordPress dagegen ist ein System, das Seiten bei jedem Aufruf aus einer Datenbank zusammensetzt. Dafür bekommst du einen Admin-Bereich, in dem du selbst Texte ändern, Bilder tauschen und Beiträge schreiben kannst. Das ist der eigentliche Deal: WordPress tauscht Geschwindigkeit und Wartungsruhe gegen Selbst-Bearbeitbarkeit. Ob der Tausch sich lohnt, hängt davon ab, wie oft du wirklich selbst etwas änderst.

Der Vergleich in Zahlen

AspektWordPressSelbst gebaut (statisch)
Hosting-Kosten8 – 25 € / Monat5 – 15 € / Monat
Laufende Wartung30 – 80 € / Monat oder selbstPraktisch keine
Ladezeit (typisch)1,5 – 4 Sekunden0,3 – 0,8 Sekunden
Sicherheits-UpdatesWöchentlich bis monatlichEntfallen
Selbst Texte ändernJa, im Admin-BereichÜber den Designer oder CMS-Anbindung
Blog / häufige InhalteStarkMöglich, aber mehr Aufwand
Hack-RisikoReal (Plugins, Logins)Minimal (keine Angriffsfläche)

Wo WordPress wirklich stark ist

WordPress betreibt über 40 Prozent aller Websites weltweit, das kommt nicht von ungefähr. Es gibt drei Situationen, in denen es die richtige Wahl ist:

  • Du veröffentlichst regelmäßig Inhalte. Wer wöchentlich Blogartikel, News oder Termine einstellt, braucht einen Admin-Bereich. Dafür wurde WordPress gebaut, und das kann es bis heute am besten.
  • Mehrere Personen pflegen die Seite. Redaktionsrechte, Entwürfe, Freigaben. Sobald ein Team an Inhalten arbeitet, spielt ein CMS seine Stärken aus.
  • Du willst einen Online-Shop mit vielen Produkten. WooCommerce ist ausgereift. Für einen Shop mit 200 Artikeln ist eine statische Lösung der falsche Weg.

Wo selbst gebaut gewinnt

Und jetzt die andere Seite, die in WordPress-Agenturen seltener erzählt wird:

  • Geschwindigkeit. Eine statische Seite lädt in unter einer Sekunde, ohne Caching-Plugins und Optimierungs-Tricks. Google misst Ladezeiten, Besucher spüren sie. Jede Sekunde Wartezeit kostet messbar Anfragen.
  • Keine Wartung. Es gibt nichts, das veralten kann. Keine Plugin-Updates, keine PHP-Versionssprünge, keine Theme-Konflikte. Die Seite läuft in fünf Jahren noch genauso wie heute.
  • Sicherheit. Wo keine Datenbank und kein Login ist, kann nichts gehackt werden. WordPress-Seiten ohne Pflege sind dagegen ein beliebtes Ziel automatisierter Angriffe.
  • Volle Design-Kontrolle. Kein Theme-Korsett. Die Seite sieht exakt so aus, wie sie für dein Geschäft entworfen wurde, nicht wie das Template von tausend anderen.

Der Wartungs-Punkt, den fast alle unterschätzen

Hier liegt der Kern der Entscheidung. Eine WordPress-Website ist kein Produkt, sondern ein Abo. Core-Updates, Theme-Updates, Plugin-Updates, und zwar regelmäßig, sonst entstehen Sicherheitslücken. Wer das selbst macht, investiert ein bis zwei Stunden pro Monat und braucht ein Backup-Konzept für den Fall, dass ein Update etwas zerschießt. Wer es machen lässt, zahlt 30 bis 80 Euro monatlich für einen Pflegevertrag.

Ich sehe regelmäßig WordPress-Seiten von Selbstständigen am Bodensee, die seit zwei Jahren kein Update gesehen haben. Die laufen, bis sie es nicht mehr tun. Dann kostet die Rettung mehr als die ursprüngliche Website. Eine statische Seite kennt dieses Szenario schlicht nicht.

Faustregel: Änderst du seltener als einmal im Monat selbst etwas an deiner Website, zahlst du bei WordPress für einen Admin-Bereich, den du nicht nutzt, und für Wartung, die nur das System selbst am Leben hält.

Was der Unterschied kostet

Bei der Erstellung nehmen sich beide Wege wenig: Eine professionelle Website liegt in beiden Fällen je nach Umfang zwischen 800 und 3.500 Euro, die konkreten Spannen habe ich im Artikel Was kostet eine Website am Bodensee 2026 aufgeschlüsselt. Der Unterschied entsteht danach: Über fünf Jahre gerechnet kommen bei WordPress realistisch 1.800 bis 4.800 Euro an Wartung und Pflege zusammen, bei einer statischen Website sind es 300 bis 900 Euro Hosting. Das ist der Posten, der in Angeboten gerne fehlt.

Eng verwandt mit der Technik-Frage ist übrigens die Struktur-Frage: Reicht eine einzelne lange Seite oder brauchst du mehrere Unterseiten? Das habe ich im Artikel Onepager oder Multi-Page-Website auseinandergenommen, denn die Antwort beeinflusst auch, welche Technik sinnvoll ist.

Mein eigener Take, als Webdesigner

Ich baue Websites statisch, von Hand, und das aus Überzeugung: Die meisten meiner Kunden sind Selbstständige und kleine Betriebe am Bodensee. Die ändern ihre Öffnungszeiten zweimal im Jahr und wollen eine Seite, die schnell lädt, gut rankt und keine monatlichen Folgekosten produziert. Für genau dieses Profil ist statisch die ehrlichere Lösung. Kleine Änderungen übernehme ich auf Zuruf, das ist günstiger als jeder Pflegevertrag.

Genauso klar: Wenn jemand im Erstgespräch sagt, er will wöchentlich bloggen oder einen Shop mit hundert Produkten aufbauen, empfehle ich WordPress oder eine passende Shop-Lösung, auch wenn ich den Auftrag dann anders aufsetze. Das falsche Werkzeug zu verkaufen rächt sich immer, spätestens nach einem Jahr.

Fazit, in einem Absatz

WordPress lohnt sich, wenn du den Admin-Bereich wirklich nutzt: regelmäßige Inhalte, mehrere Bearbeiter, Shop. Für die typische Selbstständigen-Website mit fünf bis acht Seiten, die vor allem gefunden werden und Anfragen bringen soll, ist eine selbst gebaute statische Website schneller, sicherer und über die Jahre deutlich günstiger. Entscheide nicht nach Technik-Mode, sondern nach einer einzigen Frage: Wie oft wirst du in den nächsten zwölf Monaten ehrlich selbst etwas ändern?

Häufige Fragen

Ist WordPress nicht kostenlos?

Die Software ja, der Betrieb nein. Ein gutes Theme kostet 50 bis 100 Euro, Premium-Plugins laufen als Abo, dazu kommen Hosting mit PHP und Datenbank sowie regelmäßige Wartung. Realistisch liegt eine gepflegte WordPress-Website bei 30 bis 80 Euro pro Monat, eine statische Website bei 5 bis 15 Euro fürs Hosting.

Ist eine selbst gebaute Website schwerer zu pflegen?

Kommt darauf an, was du selbst ändern willst. Texte und Bilder tauschen geht bei WordPress ohne Webdesigner, bei einer statischen Website brauchst du dafür meist den Designer oder ein angebundenes CMS. Dafür entfällt bei statischen Seiten die komplette Update-Pflege: keine Plugin-Updates, keine Sicherheitspatches, keine kaputten Themes nach einem Update.

Was ist besser für SEO, WordPress oder selbst gebaut?

Google ist die Technik dahinter egal, gerankt wird das Ergebnis. Eine saubere statische Website hat aber Startvorteile: schnellere Ladezeiten, kein Plugin-Ballast, volle Kontrolle über strukturierte Daten. Bei WordPress hängt die SEO-Qualität stark von Theme, Plugins und Pflege ab. Beides kann sehr gut ranken, statisch macht es einem leichter.

Kann ich später von WordPress auf selbst gebaut wechseln, oder umgekehrt?

Ja, in beide Richtungen. Inhalte, Texte und Bilder lassen sich übernehmen, die Struktur wird neu aufgebaut. Wichtig sind saubere Weiterleitungen der alten URLs, damit Google-Rankings nicht verloren gehen. Ein Wechsel ist ein normales Redesign-Projekt, kein Neuanfang bei null.

WordPress ist eine eingetragene Marke der WordPress Foundation. Rabouz Studio steht in keiner Verbindung zur WordPress Foundation oder zu Automattic Inc.

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